Reiten Allgemein

Ist denn Springen nicht schädlich für das Pferd? Diese Frage haben wir unter Freunden mit Pferden länger diskutiert. Eines vornweg; es gibt keine klare Antwort. Oder eben doch. Eigentlich schon. Ganz klare BWL'ler Aussage: "Es kommt darauf an..."

Und genau das triffts ziemlich gut. Es kommt darauf an. Und zwar auf ziemlich vieles. Als erstes muss ich eingrnzen, dass ich von gelegentlichem Springen spreche, nicht von "ec htem" Training und Leistungssteigerungen und regelmäßigen Springturnieren und Wettkämpfen. 

Ich spreche jatzt mal von unserem Pferd, einem gut 5 Jährigen Wallach, der schon recht ordentlich ausgebilet ist und der tatsächlich "Springblut" hat. Ich dachte das sei eher nicht so wichtig, aber ihm liegt Springen einfach, er sieht ein Hinderniss, man reitet gezielt darauf zu und den Rest kann er total entspannt ganz alleine. Für unser Pferd ist es ideal, wenn er - ähnlich wie ein Läufer im möglichst abwechslungsreichen Lauftraining - auch abwechlslungsreich gefordert und gefördert wird. Alle 1-2 Wochen eine entspannte Springstunde mit kleinen Hindernissen ist für ihn neben der üblichen Dressurstnden, dem wetterabhängigen Ausreiten und der ergänzenden Bodenarbeit absolut perfekt. 

Für andere Pferde mag Springen Stress bedeuten, das muss man jeweils selbst entscheiden und probieren, aber grundsätzlich kann man wirklich sagen, dass auch für ein Pferd - gerade wenn es jung, neugierig und energiegeladen ist, ein möglichst abwechslungsreiches Trainingsprogramm sinnvoll ist. Denn wer jeden Tag nur in der Halle im Kreis läuft wird irgendwann sicher abgestumpft. 

Also, wir haben uns darauf geeinigt, dass Springen nicht grundsätzlich schädlich ist, klar ist aber auch dass die Belastung für die Gelenke natürlich höher ist als beim normalen Reiten, deswegen sollte man dasiert damit umgehen. 

Nachdem unser Pferd selber erst 5 Jahre alt ist, was gerade bei einem großen Pferd quasi noch mitten in der "Pubertät" ist, sind uns schon ein paar Besonderheiten Aufgefallen, über die ich gerne hier berichte.

Verhalten gegenüber anderen Pferden

Das Verhalten gegenüber anderen Pferden auf der Koppel oder auch auf dem Reitplatz hat sichin den letzten Wochen sehr stark verändert oder besser gesagt, weiter entwickelt. Zu Beginn war er fremd, er hatte Angst vor anderen Pferden, fühlte sich als jüngster sichtbar unsicher auch wenn er nach Außen hin schon lange der größte war mit einem Stockmaß von über 175cm. Und das hat sich mittlerweile dahin geändert, dass er gelernt hat, mit Anden Pferden umzugehen und er ist sich zunehmend seiner Größe und seiner Stärke bewusst. Er ist sicher nicht der "Chef" in der Gruppe, aber er hat gelernt, sich gegenüber vielen anderen Pferden durchzusetzen. Beim Reiten auf dem Reitplatz und noch schlimmer in der engen Reithalle hatte unser "Kleiner" zu Beginn auch Angst vor anderen Pferden, gerade wenn es etwas eng wurde oder von hinten ein Pferd schneller auf ihn zu gekommen ist, dann hat er versucht, ruhig aber sicher etwas mehr Abstand zu gewinnen, meistens indem er ein wenig beschleunigt hat. Das ist ohnehin schon sehr angenehm und gut, andere Pferde würden weggaloppieren oder springen. Aber mittlerweile hat er gelernt, sich zu 100% auf seinen Reiter zu verlassen. Solange ihm sein Reiter nun Ruhe und Sicherheit vermittelt, ist er unglaublich ruhig und sicher geworden, egal ob im Gelände, auf dem Platz oder auch beim Springen.

Körperliche Entwicklung

Unser Pferd ist mit seinen etwas über fünf Jahren noch immer nicht ganz Ausgewachsen. In der letzten Zeit ist er um 3cm gewachsen. Damit einher geht, dass unser Pferd neulich leichte Probleme hatte. Man kennt es von Kindern: Wachstumsschmerzen. Einfach ein paar Tage Ruhe und es war zum Glück wieder gut. Allerdings hatten wir auch schon vor seinen Wachstumsschmerzen einen sehr guten Physiotherapeuten für Sportpferde da. Der hat ihn komplett durchgecheckt und eingerenkt. Er hat einige leichte Fehlstellungen korrigiert, damit sich die Muskeln möglichst gleichmäßig weiter entwickeln. Das kann man sehr empfehlen, ich werde dem Physiotherapeuten bei Gelegenheit einen eigenen Artikel widmen, das war wirklich sehr beeindruckend. Einen Effekt hat sein junges Wachstum auch noch, wir können unser Pferd füttern was wir wollen, er schießt eher in die Höhe als dass er etwas kräftiger wird. Er baut zwar schon gut Muskeln auf, wirkt aber immer noch ein wenig wie ein pubertierender Jugendlicher Schlacks.

Wer -wie ich - das erste Mal mit einem 5 Jahre jungen Pferd zum Ausreiten ins Gelände geht, der muss so einiges beachten und bedenken. Als aller erstes mal: Sicherheit geht vor! Denn Ausreiten ist immer gefährlicher als das Reiten auf einem weichen Sandplatz. Und man muss immer bedenken und sich bewusst sein: ein Pferd ist ein Fluchttier. Und zwar jedes Pferd. Das brävste Pferd wird im Zweifelsfall eher Fersengeld geben und der vermeintlichen Gefahr davon galoppieren. Auch wenn das Pferd normalerweise super brav ist. Das ist nicht böse, das ist ein jahrtausende alter Instinkt. Man sollte auch eher in der Gruppe ausreiten als alleine, denn Pferde sind auch Herdentiere und viele sind in der Gruppe ruhiger und entspannter als alleine. Aber man sollte sich auch bewusst sein dass in einer Gruppe ein einzelnes Pferd reicht, das sich erschrickt, und alle anderen machen mit.

Deswegen: Man muss sich der Risiken bewusst sein und ich empfehle (nicht nur beim Ausreiten) unbedingt einen Reithelm und auch eine Schutzweste oder zumindest einen Rückenprotektor zu tragen. Ein möglicher Sturz im Gelände auf einen Stein, einen Fels oder einen Baumstumpf ist einfach deutlich gefährlicher als ein Sturz auf dem Reitplatz.

Aber nun genug der Warnungen. Für viele Reiter ist das Reiten lernen und die Dressurübung eher ein Mittel zum Zweck, damit man das Pferd kontrollieren kann und damit man dann entspannt ausreiten kann. Ich muss gestehen dass ich das bisher anders gesehen habe, aber seit dem ersten richtigen Ausritt, mit Galopp über ein abgemähtes Stoppelfeld... das ist schon toll. Und je nach dem wie das Pferd sich verhält, zeigt es dem Reiter ja auch, ob es selber Freude aum Ausreiten hat. Mein Junger "Cornelis" hat definitiv eine ganze Menge Spaß am Ausreiten! Natürlich ist es (noch) nicht vollkommen entspannt, der Kopf ist immer wieder weit in den Himmel gereckt, weil es im Gebüsch spannend knistert, weil es irgenwoher interessant riecht, oder weil er im Blickwinkel eine Bewegung ausgemacht hat.

Aber dabei wurde Cornelis niemals besonders unruhig und die Gegend ansehen und interessiert alles beobachten muss ja schließlich beim Ausreiten erlaubt sein. Eine neue Umgebung, neue Eindrücke und ganz unterschiedliche Untergründe sind ja auch für ein Pferd spannend und eine tolle Abwechslung. Und wie sehr sich die regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Pferd auch bei der Bodenarbeit lohnt hat mir meiner auch gleich sehr eindrucksvoll demonstriert: Er schenkt seinem Reiter unglaublich viel Vertrauen! Es waren noch zwei andere, ältere und im Gelände erfahrene Pferde dabei. Und siehe da, es tat sich vor ihnen ein großes, böses schwarzes Lock in Form einer Schlammpfütze auf. Und promt sind die beiden Pferde jeweils nach links bzw. rechts ausgeschert und die Reiter waren gut beschäftigt, wieder etwas Ruhe rein zu bringen. Anders
 Cornelis. klar hat er das Schwarze Loch auch gesehen und feste geschnaubt und er fand es irgendwie auch bedrohlich, klar. Aber er hat nicht eine Sekunde gezögert und sich vollkommen auf meine Hilfen verlassen und ist - langsam und vorsichtig - aber ruhig und ganz gerade durch die Schlammpfütze gestackst.

Solche Erlebnisse sind für Reiter und Pferd toll. Und wer uns alle danach gesehen hat, wie wir entspannt im Galopp um die Felder geritten sind, konnte vermutlich den Spaß aller Beteiligten Reiter und Pferde spüren. Das einzige was gegen Ende dann störend war, waren die Pferdebremsen, Fliegen und Mücken. Da wusste ich dann auch endlich für was ich die Spring-Gerte dabei hatte, ich konnte während dem Reiten damit die Fliegen von seiner Brust verschauchen. Und auch das war ihm sofort klar, dass ich mit der Gerte nicht ihm drohte und rumwedelte, sondern dass ich ihm nur helfen wollte die Fliegen zu verscheuchen. Das empfehle ich nicht unbedingt jdem zur Nachhahmung, aber mein Pferd war auch dafür sehr dankbar.

Seattle Dancer (22.04.1984 - 02.06.2007)

Seattle Dancer war ein Irisches Rassepferd das als Rennpferd Karriere machte. Es war das teuerste Jungpferd (als Jährling) das im Alter von 1,5 Jahren bei einer Auktion wo sich verschiedene Züchter überboten haben für 13.1 Millionen $ verkauft. Ein Virus machte die gute Entwicklung zunächst problematisch, 1987 startete das Rennpferd bei seinem ersten Rennen als Favorit und erreichte nur Platz 3. Mit zwei Siegen bei fünf Starts und einer Gewinnsumme von 152.413 Dollar schloss er seine aktive Laufbahn ab. Seine letzte Zeit verbrachte er als Deckhengst im Gestüt Auenquelle bevor er an den Folgen einer Herzattacke starb.

Snaafi Dancer

Er war vor Seattle Dance das teuerste Pferd das als Jährling 1983 bei der Keeneland July sale 10.200.000 Dollar erzielte. Dieser Northern Dancer-Sohn erschien allerdings nie auf der Rennbahn.

The Green Monkey

2006 wurde The Green Monkey zum neuen teuersten Pferd der Welt indem er beim "Fasig-Tipton Florida February sale of 2-year-olds in training“ 16.000.000 Dollar erzielte.

(Moorlands) Totilas

Moorlands Totilas wurde am 14. Oktober 2010 für die neue Rekordsumme von 10 bis 15 Millionen Euro das teuerste Dressurpferd der Welt. Totilas wird seitdem von Paul Schockemöhle finanziert und von Matthias Rath geritten. Totilas hält mit seinen 10 Jahren mehrere Weltrekorde in den schwersten Dressurwertungen und wird nicht nur als teuerstes Pferd der Welt sondern auch als Wunderpferd gehandelt.

Poetin

Poetin war vor Totilas das teuerste Dressurpferd der Welt. Sie erzielte Ende 2003 die Rekordsumme von 2,5 Millionen Euro bei einer Versteigerung. Zwei Jahre später verstarb sie leider am 12.12.2005 an den Folgen einer Krankheit. Zwischendurch war auch hier der Unternehmer Paul Schockemöhle Besitzer der Poetin.

Lord Sinclair

Lord Sinclair war zuvor das teuerste Pferd der Welt, der Hengst erzielte bei einer Auktion 1997 1,4 Millionen Euro.


Die teuersten Pferde der Welt die ich hier kurz vorgestellt habe erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ihr könnt die Liste gerne ergänzen und kommentieren. Es ist schwierig wirklich die teuersten Pferde der Welt zu ermitteln weil z.B. auch in den Golf-Staaten Rennpferde für sehr viel Geld den Besitzer wechseln ohne dass die breite Öffentlichkeit den genauen Kaufpreis je erfahren wird. Aktuell aber ist Totilas sicher das teuerste und bekannteste Pferd der Welt und er hat vor allem im Dressursport mit den 10-15 Millionen Euro eine neue Bestmarke gesetzt.

Totilas, das Wunderpferd

Totilas wird spätestens seit 2009 als Wunderpferd gehandelt. Er stellte mehrere Weltrekorde auf und überbot diese dann z.B. am 16. Dezember 2009 in der Grand Prix Kür in der Londoner Olympia Hall mit einer Wertung von 92,300 %. Neben den großen Erfolgen geriet Totilas auch in die Schlagzeilen, weil sein extrem ausgeprägter starker Trab nach Meinung einiger Fachleute "nicht dem FEI-Handbuch entspreche". darüber möchte ich heir aber gar nicht viele Worte verlieren, Neider gibt es überall und dass ein Pferd schlichtweg ein individuelles Lebewesen ist und seine Bewegungen nicht in ein Handbuch passen und der gängigen Norm entsprechen, ist in meinen Augen schlicht normal. Allerdings sind die Abweichungen von der Norm bei "normalen" Pferden eher negativ oder zumindest nicht in diesem Maße positiv ausgeprägt. Also bleiben wir dabei, Totilas ist eine Art Wunderpferd.

Ausbildung und Erfolge dank Edward Gal

Edward Gal hat Totilas von 2006 an bis Ende 2010 geritten und mit ausgebildet. 2006 konnte der Rappenhengst Totila nur wenige Grundlektionen. Er war aber offenbar von Anfang an sehr lernwillig und konnte sehr gut ausgebildet werden. Edward Gal und Totilas passten unglaublich gut zusammen, auch weil sie eben quasi von Anfang an zusammen gearbeitet haben. Ein Blick in folgendes Video von der Kür Edward Gals mit Totilas in Aachen 2010 zeigt das recht deutlich.

 

 

Paul Schockemöhle kauft Totilas

Paul Schockemöhle hat im Oktober 2010 Totilas, das Wunderpferd für sagenhafte 10 bis 15 Millionen Euro gekauft. Auch das ist ein Rekord, das bis dato teuerste Dressurpferd kostete 2,5 Millionen €. Paul Schockemöhle ist deutscher Springreiter und Unternehmer, von 1981 bis 1985 wurde 3 mal in Folge Europameister mit seinem Pferd Deister. Als Unternehmer ist Schockemöhle mit seinem Logistikunternehmen ebenfalls sehr erfolgreich. Wegen Steuerhinterziehung wurde er 1996 zu 11 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt und musste über 22 Millionen Mark Steuern nachzahlen.

Matthias Rath auf Totilas

Gestern ist Totilas nun nach Kronberg am Taunus umgezogen. Matthias Alexander Rath stammt aus einer erfolgreichen Reiterfamilie und steht nun unter Erfolgsdruck. Jeder erwartet weitere Rekorde und Siege von Totilas und seinem neuen Reiter. Den ersten Turnierstart mussten beide aber bereits absagen wegen einer medikamentösen Behandlung von Totilas. Bei einem ersten offiziellen Pressetermin war der Andrang groß und der erste Eindruck zeigt, dass Totilas auch mit Matthias Rath gute Chancen hat auf weitere Erfolge. Allerdings wird der Erfolg auch nicht nur ihm zugerechnet da die Ausbildung bis zu diesem extrem guten Stand ja komplett in der Hand seines Vorgängers, Edward Gal lag. Insofern wird es sicher einige Zeit dauern, bis sich Matthias Rath gemeinsam mit Totilas einen Ruf und ein gewisses Vertrauen aufgebaut haben. Viel Erfolg dabei!